90 Jahre Helmut Blüthgen

Elke Greger, Ortsvorsteherin, gratuliert Helmut Blüthgen zum 90. Geburtstag

Helmut Blüthgen – ein Theisaer Lehrer

Helmut Blüthgen kam am 14. März 1929 als strammer Bursche von 6 kg in der Bormannstraße, in Bad Liebenwerda zur Welt.

An seine Kindheit erinnert er sich gern. Er hatte zwar wenig Spielzeug aber viele Spielfreunde. Damals verbrachte er den ganzen Tag im Freibad, dort wo sich heute das Wonnemar befindet. Bereits im Alter von fünf Jahren hatte er sich das Schwimmen beigebracht. Später war er ein tüchtiger Rettungsschwimmer. Als größerer Junge war er Langstreckenläufer und lieferte sich mit Werner Kuke so manchen Wettkampf.

Sein Interesse an Flugzeugen begann auf dem Thalberger Fliegerberg. Als sogenannter Haltejunge musste er mit anderen ein Gummseil spannen, damit ein bemannter Segelflieger wie ein gespanntes Katapult losgeschossen werden konnte. Der Flieger segelte dann über die Wiesen. Der Wunsch einmal Flugzeugbauer zu werden lag nahe, aber der Krieg setzte diesem Traum ein Ende. So kam es, dass er den Beruf des Lehrers erlernte.

1950 zog Helmut mit seiner Frau und den Kindern in ein Zimmer in die Theisaer Schule. Er unterrichtete damals die älteren Schüler und Lehrer Dunkel die Jüngeren. Bald begann er den Schulboden zu einem Werkraum umzugestalten. Dort baute er mit den Schülern in der Arbeitsgemeinschaft Flugmodellbau die tollsten Segelflieger, Drachen und Fesselflugmodelle. Die AG schaffte es sogar bis zum Kreissieger.

Ab Mitte der 50ger Jahre organisierte Helmut mit seiner Frau Inge schöne Ferienfahrten für die älteren Schüler an die Ostsee. Dafür fuhr immer eine Mutti der Schüler als Köchin mit und im Gepäck hatte man einen 10-Liter Marmeladeneimer, denn das Baden in der Ostsee machte alle recht hungrig. Die Zugfahrt dauerte neun Stunden und geschlafen wurde dann im Stroh auf einem Scheunenboden. Trotzdem war es damals für die Schüler ein unvergessliches Erlebnis.

Helmut und Inge sangen auch mit viel Freude im Theisaer Chor und manchmal wurden dann auch kleine Operetten aufgeführt. In den nachfolgenden Jahren wurde in Theisa viel gebaut. Gearbeitet wurde ohne Bezahlung. Helmut, der von seinen Schülern auch liebevoll Papi genannt wurde und Bürgermeister Paul Richter waren immer mit dabei. In dieser Zeit entstanden das Sportlerheim, der Schulanbau und die Wasserleitung. Weil die Theisaer im damaligen Kreis Bad Liebenwerda die meisten freiwilligen Arbeitsstunden geleistet hatten, bekamen sie den ersten Fernseher (Bildschirm 30 cm) und dieser wurde dann im Sportlerheim aufgestellt. Das halbe Dorf traf sich manchmal abends zum Fernsehen und es war gemütlich.

Helmut Blüthgen war viele Jahre lang Schulleiter im Schulverband Thalberg /Theisa. Später wurde er Fachberater im Bereich Werken und danach sogar Schulinspektor.

Kurz bevor er und seine Frau Inge das Rentenalter erreichten, kauften sie sich das Häuschen in der Liebenwerdaer Straße. Helmut baute es liebevoll um und aus. In seiner Arbeit als Vorsitzender des Seniorenrates der Stadt Bad Liebenwerda organisierte er zahlreiche Veranstaltungen für die Rentner. Nun schon im reifen Alter begann er sich in seiner freien Zeit mit der Malerei zu beschäftigen und malte hauptsächlich Motive aus der Erinnerung an seine glückliche Kindheit. Als seine Frau erblindete, gab er sein Hobby auf, um sie in ihren letzten Lebensjahren liebevoll zu pflegen.

Als einer der ältesten Bürger Theisas konnte er nun seinen 90. Geburtstag im Kreise seiner Familie und seiner ehemaligen Kollegen feiern. Zum Gratulieren kamen viele Gäste und plauderten mit ihm zusammen in bester Stimmung.

Text: Ramona Läppchen

Fotos: Julia Blüthgen-Donath und Elke Greger